Kurt Steinhofer von der LG Innviertel hat sich beim Austria Backyard Ultra einer außergewöhnlichen Herausforderung gestellt: 34 Runden und insgesamt 228 Kilometer. Beim Backyard Ultra gilt es, jede Stunde eine Runde von 6,706 Kilometern zu absolvieren. Bis zur nächsten vollen Stunde muss man wieder startbereit sein – so lange, bis man nicht mehr weiterlaufen kann oder will. Der 48-jährige Waldzeller, der die Top-12 erreichte, spricht im Interview über dieses WM-Rennen in Seekirchen/Wallersee und das Thema Erholung.

Fotos: Steinhofer

228 Kilometer läuft man nicht einfach so. Wie hast du dich auf den Austria Backyard Ultra vorbereitet?

Die Langstrecken haben sich in den letzten Jahren nach und nach aufgebaut. Dabei wurden sowohl der Trainingsumfang als auch die Distanzen kontinuierlich gesteigert. So stehen mittlerweile auch Trainingsläufe über 70 Kilometer auf dem Programm. Stabilisations- und Krafttraining gehören genauso dazu wie regelmäßige Powerwalks. Es geht darum, den Körper langsam an diese Dauerbelastungen heranzuführen, damit sich Muskeln, Sehnen und Knochen daran gewöhnen können.

Worauf hast du in der Vorbereitung besonders geachtet? Wie wichtig waren lange Läufe, die richtige Ernährung und das Testen von Schuhen, Kleidung und Verpflegung für so einen Wettkampf?

Ich bin ständig am Testen, da es für mich leider kein 100-prozentiges Setup gibt, das immer funktioniert. Bei den Schuhen ist es wichtig, dass sie groß genug sind, damit man nicht ständig mit den Zehen vorne anstößt, aber auch nicht zu groß, sodass man darin rutscht. Die Kleidung darf nicht reiben, da es sonst zu sehr schmerzhaften Abschürfungen kommen kann. Hier setze ich ausschließlich auf Funktionskleidung von zwei bis drei Marken, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Das Testen der Verpflegung ist immer ein Teil der langen Trainingsläufe. Die Verdauung arbeitet nach einer gewissen Zeit anders. Deshalb muss man seinen Körper erst kennenlernen und herausfinden, was er über diese langen Distanzen verträgt.

Wie bist du ins Rennen gestartet? Hattest du von Anfang an ein bestimmtes Kilometer- oder Rundenziel, oder wolltest du einfach möglichst lange durchhalten und deinen Rhythmus finden?

Bei einem Backyard Ultra weißt du nie genau, was dich erwartet. Ziele sind gut, aber man muss sich auf jede einzelne Runde konzentrieren. Die erste Runde habe ich genutzt, um die Topografie kennenzulernen und die Strecke in einzelne Segmente aufzuteilen. Danach ging es darum, einen Rhythmus zu finden. Bei mir lag die Zeit pro Runde bei etwa 48 Minuten.

34 Runden und 228 Kilometer bedeuten viele Stunden Belastung. Wann wurde das Rennen besonders hart? Gab es einen Moment, in dem du ans Aufhören gedacht hast, und was hat dich motiviert, weiterzulaufen?

Bei so einem Rennen erlebt und durchlebt man alles – von der Euphorie, scheinbar unendlich laufen zu können, bis hin zu dem Gedanken: „Ich laufe nie wieder einen Backyard Ultra!“ Definitiv motiviert hat mich mein dreiköpfiges Betreuerteam, das jede Minute für mich da war. Es wusste genau, was ich brauchte, oder stellte sich blitzschnell auf meine Bedürfnisse ein. Auch Familie und Freunde haben mich besucht und angefeuert. Da kannst du nicht einfach aufhören! Dazu kamen noch sehr viele WhatsApp-Nachrichten, die mich zusätzlich motiviert haben.

Beim Backyard Ultra startet jede Runde zur nächsten vollen Stunde. Wie hast du die Zeit zwischen den Runden genutzt? Was hast du gegessen und getrunken, und wie bist du mit Müdigkeit, möglichen Schmerzen und der Nacht umgegangen?

Die Zeit zwischen den Runden ist sehr genau getaktet. Als Erstes standen trockene Kleidung und Warmhalten auf dem Programm. Außerdem wurde die Flask für die nächste Runde mit Elektrolyten aufgefüllt, und ich aß das, was wir bereits während der vorherigen Runde ausgemacht hatten. Auf dem Speiseplan standen unter anderem frisch gekochte Kartoffeln, Nudeln, Toast, Kuchen und Haribos. Je nach Bedarf wurden auch die Socken oder Schuhe gewechselt, die Muskeln eingecremt und gelockert.

Und in der Nacht?

In der Nacht kamen dann fünfminütige Powernaps dazu, bevor es 30 Sekunden vor dem nächsten Start wieder nach draußen ging. Ohne mein Betreuerteam wäre das nicht möglich gewesen. Wenn man all das innerhalb von zehn Minuten selbst erledigen müsste, wäre es extrem schwierig.

Wie geht es dir körperlich und mental jetzt nach dieser enormen Belastung? Was sind deine ersten Schritte bei der Regeneration, und wie lange wirst du dir voraussichtlich Zeit nehmen, bevor du wieder ins normale Lauftraining einsteigst?

Mental hatte ich danach einen kurzen Durchhänger, weil ich meine Leistung zunächst nicht richtig einordnen konnte. Einerseits habe ich mein selbst gestecktes Ziel nicht erreicht, andererseits habe ich so viel positive Rückmeldung für das bekommen, was ich geleistet habe. Die körperlichen Blessuren kenne ich bereits. Normalerweise klingen sie relativ schnell wieder ab. Trotzdem braucht der Körper nach einer solchen Belastung mindestens ein bis zwei Monate, um sich vollständig zu regenerieren. Ich denke, dass ich in einer Woche wieder ins Lauftraining einsteigen werde. Vorher muss ich meinen Körper aber erst wieder in Einklang bringen. Das bedeutet: gut und ausgewogen essen, ausreichend schlafen, leichte Stabilisationsübungen machen und Spaziergänge unternehmen.

Was nimmst du aus diesem Rennen mit? Bist du mit den 34 Runden zufrieden, was würdest du beim nächsten Mal anders machen – und reizt dich bereits eine noch größere Herausforderung?

Ich bin mit den 34 Runden zufrieden, weil in diesem Moment einfach nicht mehr möglich gewesen wäre. Die Vorbereitung war sehr gut, deshalb würde ich es beim nächsten Mal genauso wieder machen. Die Pläne für 2027 werden bereits geschmiedet. Es wird spannend und es wird weit gehen – aber mehr möchte ich dazu noch nicht verraten.

Hier der Bericht von Elisabeth Weissenbrunner